Positionen

Stellungnahme des „Forums Politische Bildung“

„Die Situation der politischen Bildung auf dem Prüfstand“

Das Forum „Politische Bildung“ vereint Akteure, die mit unterschiedlichen Interessen und Zielgruppen im Bereich der politischen Bildung in Bremen Verantwortung übernehmen. Das Forum hat das Ziel, Politische Bildung im Land Bremen als zentrale gesellschaftliche Zukunftsaufgabe in ihrer Vielfalt zu erhalten und zu stärken, sowie sie mit Blick auf anstehende gesellschaftliche Herausforderungen didaktisch und methodisch weiter zu entwickeln.

Politische Bildung braucht Demokratie

Positionspapier der DVPB

Erarbeitet von Bundesvorstand und Erweiterten Bundesvorstand der DVPB, verabschiedet am 24.11.2014

Pressemitteilung: DVPB-Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien

DEUTSCHE VEREINIGUNG FÜR POLITISCHE BILDUNG E.V.
Verband für Politische Bildung in Schule, Hochschule,
Jugendarbeit und Erwachsenenbildung

Prof. Dr. Dirk Lange (Erster Vorsitzender)
Tel.: 0511 / 762 5705
E-mail: dirk.lange@dvpb.de
Internet: www.dvpb.de

– P R E S S E M I T T E I L U N G –
Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien DVPB fordert Klarheit über Geldgeber, Herausgeber und Autoren

Lobbyisten umwerben Schulen und Lehrkräfte so intensiv wie nie zuvor mit kostenlosen
Unterrichtsmaterialien. Anders als Schulbücher werden diese Materialien nicht unabhängig geprüft oder ministeriell zugelassen. Weil häufig nicht einmal die Urheberschaft entsprechender Lehr- und Lernmaterialien ersichtlich ist, dringen vermehrt einseitige Positionen in den Schulunterricht. Deshalb hat die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) einen Transparenz-Kodex entwickelt. Der Kodex fordert die Kultusministerien auf, eine transparente Kennzeichnung von Unterrichtsmaterialien durchzusetzen. Zukünftig sollen alle in Schulen genutzte Materialien Angaben über Produzenten, Finanziers und unterstützende Organisationen enthalten.

Hannover, 10. Juli 2014

Insbesondere finanzkräftige Wirtschaftsverbände und Konzerne überschwemmen die Schulen zunehmend mit kostenlosen Unterrichtsmaterialien. Diese beschäftigen sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen wie soziale Sicherung oder Energiewende sowie mit lebenspraktischen Fragen wie private Altersvorsorge oder Geldanlage. Die Anbieter nutzen die Unterrichtsmaterialen oft dazu, das Thema einseitig nur aus ihrer Sicht darzustellen, um die Lernenden im Sinne ihrer Weltanschauung und Interessen zu beeinflussen. Das Spektrum reicht von einschlägigen Formen der Meinungsmache bis hin zur Kundenakquise. Besonders stark tritt die Versicherungs- und Finanzindustrie an Schulen auf.
Viele Anbieter versuchen zu verschleiern, wer genau das Material beauftragt, produziert und
finanziert hat. Deshalb ist es für Lehrende und Lernende häufig nicht oder nur schwer ersichtlich, welche Lobby hinter einem Material steht. Manche Anbieter verstecken sich hinter Vereinen mit wohlklingenden Namen. Diese Intransparenz erschwert es Lehrenden und Lernenden, sich kritisch mit den Absichten der Finanziers und Autoren auseinanderzusetzen.

Die zunehmende Praxis von Lobbyisten, die Unterrichtsfächer des gesellschaftlichen Lernens mit nicht gekennzeichnetem Werbematerial zu unterwandern, alarmiert die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB). Als Fachverband der Politischen Bidlung in Deutschland mit über 2000 Mitgliedern aus Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung hat die DVPB deshalb einen Transparenz-Kodex entwickelt. Sie fordert die Kultusminister auf, diesen aufzugreifen und umzusetzen.
Die vier Regeln des DVPB-Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien definieren die
Mindestanforderungen an Transparenz in Schule und Unterricht:

DVPB-Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien
1. In Schule und Unterricht verwendete Materialien Dritter müssen im Impressum nicht nur die Herausgeber, sondern auch die Finanzierungsquellen sowie die Herstellung und Vertrieb
unterstützenden Organisationen angeben.
2. Sofern dies aus Platzgründen als nicht praktikabel erscheint, muss das Material einen direkten Link zu einer Webseite mit diesen Informationen enthalten.
3. Wird eine Organisation wie z.B. ein Verein, eine Stiftung oder ein Institut als Förderer oder
Finanzierer angegeben, sind auch deren Geldgeber explizit, vollständig und leicht auffindbar zu nennen.
4. Die Autorinnen und Autoren des Materials sind ebenso zu nennen wie ggf. ihre Zugehörigkeit zu einer Organisation.
Der Beitrag aus der Zeitschrift POLIS, mit dem der DVPB-Transparenz-Kodex vorgestellt und im Wortlaut abgedruckt wird, findet sich im Anhang zu dieser Pressemitteilung. Der Kodex darf unter Nennung des Verbandes zitiert und abgedruckt werden.

Weitere Informationen zu den Hintergründen des DVPB-Transparenz-Kodex erhalten Sie von Prof. Dr. Reinhold Hedtke (reinhold.hedtke@uni-bielefeld.de), der im Bundesvorstand der DVPB für den Kodex zuständig ist. Prof. Dr. Reinhold Hedtke setzt sich seit Jahren mit dem Einfluss von Lobbyisten auf den sozialwissenschaftlichen Unterricht kritisch auseinander.
Allgemeine Fragen zur DVPB beantwortet in seiner Funktion als Assistent des Bundesvorstands gerne Moritz Peter Haarmann (m-p.haarmann@ipw.uni-hannover.de).

(Abdruck des „DVPB-Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien“ in der Zeitschrift POLIS)

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